Auf der Suche nach der Heelin Coo

Das Wandern ist des Süßchenmuttis Lust. Um genau zu sein, sind Fernwanderwege eins meiner Hobbies. Allerdings wurde ich vor dem ersten Urlaub auf einem solchen von allen Seiten ziemlich schräg angesehen.

Ich gebe es ja zu: ich bin ein absoluter Couch Potato. Und wandern oder spazierengehen finde ich prinzipiell blöd. Außer, es gibt etwas, WOHIN ich gehe. Also mit dem Hund spazieren oder zu einem Stück Kuchen ist immer gut, aber einfach so durch die Gegend laufen ist nicht meins. Vermutlich haben mich die stundenlangen Spaziergänge meiner Kindheit versaut, weil es mit Oma und Opa IMMER zu einem Eis oder Kuchen ging. 

Der Herbst 2012 war mir nicht wohlgesonnen. Ich hatte beruflich Ärger und war gesundheitlich übel angeschlagen, nachdem ich mehrere Wochen mit Pfeifferschem Drüsenfieber flach lag. Wer das schon mal als Erwachsener hatte, wird bestätigen können, dass es ewig dauert, bis man wieder zu Kräften kommt. Inspiriert von damaligen Bestseller von Hape Kerkeling hatte ich aber nun die Schnapsidee, meinen nächsten Sommerurlaub zu einem Aktivurlaub zu machen. Natürlich wollte ich mich vorher vorbereiten um körperlich fit zu sein. (Habe ich natürlich nicht gemacht, das nehme ich schonmal vorweg.)

Da die Insel während meines Fremdsprachenassistenzjahres meine zweite Heimat geworden war, schaute ich also dort nach schönen Wanderrouten und traf prompt auf einen Klassiker: den West Highland Way. west-highland-way-map

Der Weg ist insgesamt 154 km lang und führt von Milngavie (ausgesprochen wird es Mill-gay) zunächst durch die Lowlands, am Loch Lomond längs und dann in die Highlands bis nach Fort William. Der Weg ist einer der meist besuchtesten mit etwa 50.000 Wanderern jährlich. Im Winter sollte man ihn jedoch eher nicht gehen, da der Weg schon nach der zweiten Etappe ziemlich einsam wird und einige Teile auch nicht gerade ungefährlich sind. Zum Großteil erstreckt sich der Weg über alte Viehhändlerrouten, Militärstraßen und Behelfswege. Traditionell wird der Weg von Süden nach Norden gewandert, weil man sich mit der stetig steigenden Landschaft fortbewegt, aber vor allem wird man so nicht von der Sonne geblendet.

Meine Abenteuerlust reichte aber nur so weit, dass ich wandern wollte. Zelten und mein Gepäck schleppen? Nein, danke! Das Ganze sollte ja auch noch Urlaub sein. Also habe ich über einen britischen Reiseveranstalter (Mickledore und nein, keine Werbung, sondern meine ehrliche Empfehlung!), der auf Wanderreisen spezialisiert ist, unseren Trip gebucht. Man kann sich dort auch aussuchen, wie weit man pro Tag wandern will, von der 6 Tages Variante (nur für ultrafitte und erfahrene Wanderer zu empfehlen!) bis hin zur gemütlichen 9 Tages Variante. Wir haben uns für die 8 Tages Tour entschieden, allerdings würden wir beim nächsten Mal unbedingt einen Ruhetag einbauen. Ein Wort der Warnung: in einigen Abschnitten gibt es genau 1(!) Hotel, und da der Weg so gut besucht ist, sollte man zeitig buchen und auf keinen Fall auf die Idee kommen, einfach mal so los zu laufen. Was ich besonders charmant fand war der Service, sich sein Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft schicken zu lassen, sowie sich Lunchpakete schon vorab zu bestellen. Außerdem kriegt man Karten, Reiseführer und jede Menge hilfreiche Tipps und Adressen an die Hand, wo man z.B. abends essen gehen kann.

Also sind wir Anfang August 2013 nach Glasgow geflogen und sind nach einer Nacht in einem super tollen B&B in Milngavie los gewandert. (Zur Ausrüstung, worauf man achten muss und was man getrost zuhause lassen kann, kann ich bei Interesse einen separaten Post schreiben.)P1040089 (2)

Der erste Teil der Weges war ein schöner und eigentlich lockerer Spaziergang durch Parks, an Feldern vorbei und auf angenehmen kleinen Straßen.

Dort trafen wir auf Bill, einen in Glasgow geborenen Australier, der als Tontechniker bei einer berühmten Dschungelshow mitgearbeitet hatte und sich vorgenommen hatte, trotz seines Herzanfalls 3 Monate zuvor den Lejog zu laufen. Gemeinsam machten wir einen Zwischenstop bei der Glengoyne Destillerie (oh ja, ich LIEBE Whisky) und wanderten gemeinsam bis zum ersten Etappenziel, Drymen. Kurz vor Drymen konnte man schon ein erstes Mal den Loch Lomond sehen.

Am Rande sei erwähnt, dass alle Unterkünfte top waren, aber die B&Bs einfach immer besser waren als die Hotels. Und da waren wir nun, und ich war völlig am Ende, hatte Knieschmerzen und war ausgehungert und unterkühlt. Als Wandererneuling hatte ich mich der Illusion hingegeben, eine solche Etappe mit 2000 Kalorien locker zu meistern. Weit gefehlt, an dem Abend sah es vielmehr so aus, als könnten wir gleich morgen abbrechen und wieder nach Hause fliegen. Zu allem Übel hatte ich meine Schuhe zu eng gebunden und eine Wanderer Purpura an den Waden, die schrecklich juckte und weh tat. Erster Tag und ich war zerstört, na prima. Ich konnte noch nichtmal zurück ins Dorf laufen, um etwas zu Abend zu essen, sondern musste meinen Mann losschicken, damit er uns etwas ins B&B holte.

To be continued…

 

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