Ob die Heelin Coo sich wohl im Moor versteckt?

Tag 5 brach an und wir fühlten uns tatsächlich richtig fit, wohl auch weil der Tag vorher nicht so lang gewesen war. Das Frühstück war diesmal wirklich exzellent, es gab sogar selbst gefangenen und geräucherten Fisch!

Heute sollte es in das größte zusammenhängende Feuchtmoor des vereinigten Königreiches gehen, das Rannoch Moor. Der Weg aus Tyndrum raus ging erstmal ordentlich bergauf und lief eine ganze Weile entlang der Gleise und der A82.

 

Kurz vor Bridge of Orchy, einem winzigen Ort an der A82, von dem aus es dann ins Moor gehen sollte, überholten uns (mal wieder) die Kanadier. Die hab ich bisher unterschlagen, gell?P1040345 (2)

Die Truppe hatten wir 2 Tage vorher in Rowardennan kennen gelernt, und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass das jüngste Mitglied Mitte 60 war, das älteste 80. Eben diese Senioren schafften es jeden Tag, uns zügigen Schrittes gut gelaunt zu überholen. 🙈 Trösten konnte mich eigentlich nur die Tatsache, dass die das wohl schon ihr ganzes Leben machten und wir absolute Anfänger waren.

Bridge of Orchy bestand dann wirklich aus nicht viel… ein paar Häuser, ein Hotel und eben die namensgebende Brücke. Hier konnte man nett sitzen um seinen Lunch zu essen. Die Pakete waren immer ähnlich: ein Sandwich, Chips, Schokoriegel, manchmal Obst und etwas zu trinken. Als Notfall Ration hatten wir aber auch noch Schokoriegel dabei, der Mensch ist ja lernfähig.P1040375 (2)

Nach dem Ort ging es dann wirklich in die Einsamkeit. Hier gab es keine Straßen oder Ortschaften, sondern lediglich Inveroran Hotel, das ursprünglich mal eine Herberge für die Viehtreiber war. Das Hotel ist wirklich urgemütlich und klein, d.h. hier sollte man grundsätzlich reservieren. Außerdem fragen sie gern im Vorfeld ab, was man zum Abendessen möchte, denn die kleine Versorgungsstraße hierher war eher ein Feldweg und bestimmt nicht so eine große Freude zu fahren. 😅

Auf dem Weg hatte man einen wunderschönen Ausblick über den Loch Tulla und auf die Black Mount Lodge, den Jagdsitz der Familie von Ian Fleming, vielleicht einigen bekannt als der Autor von James Bond. Zudem hatten wir auf der Suche nach dem Handynetz noch einen netten kleinen Spaziergang vor dem Abendessen, bei dem wir uns den See nochmal aus der Nähe anschauen konnten.

Das Essen war wirklich großartig, und die Nacht sehr erholsam (ich glaub der große Süßchenpapa hatte etwas Probleme mit dem Miniaturformat des Hauses). Nach einem guten Frühstück trieb uns der sorgenvolle Blick auf die Wettervorhersage raus und auf den Weg zum Kingshouse Hotel am Eingang vom berühmt-berüchtigten Glen Coe. Am späten Nachmittag waren nämlich Regen und Nebel angesagt, und da wollte ich auf keinen Fall mehr im Rannoch Moor rumhängen.

Der Weg war gut gepflastert, so dass wir zunächst sehr zügig unterwegs waren. Vielleicht waren die gruseligen Wildkarkassen am Wegesrand Schuld, aber wir waren so schnell unterwegs, dass wir nach 3 km ordentlich aus der Puste waren. Wer sich das Höhenprofil anschaut, weiß auch wieso: der Weg geht zwar minimal, aber stetig aufwärts. Man lief völlig exponiert, kein Baum, kein Tier, nur zwei Jäger der Royal Air Force störten das Bild etwas.

Moment… exponiert, kein Baum oder Busch in Sichtweite? Richtig, genau dann muss man natürlich mal Pipi. Die kleine Klappschaufel für größere Geschäfte kam Gott sei Dank bisher nicht zum Einsatz, aber hier hätte man sich wirklich nur mitten auf den Weg hocken können. Ins Moor rein war mir zu gefährlich, und wozu auch? Man konnte mich eh kilometerweit sehen. Also hielt ich tapfer bis zum ersten größeren Stein aus… wie offenbar alle anderen auch. 😩

Der Ausblick auf den Eingang zum Glen Coe entschädigte dann aber einiges, und mit dem Wetter im Nacken kamen wir dann auch recht zügig beim Hotel an. Und hier wiederhole ich mein Plädoyer für B&Bs, es war ok. Heißes Wasser hätte ich ganz nett gefunden, aber hey, man kann nicht alles haben. Zumindest ging es uns besser als den armen Campern, denn als wir vor dem Abendessen noch eine kleine Runde ums Haus gingen zog schon der Nebel des Todes ins Tal, gefolgt von Bindfadenregen.

Das nutzte dann die Bergrettung der Royal Air Force direkt mal, um ihren Heli vor dem Hotel zu landen und dort zu Abend zu essen. Wir saßen kurz danach dann auch gemütlich im Restaurant mit Kamin und ließen den Tag ausklingen. Nur die anscheinend menschenscheue Heelin Coo war immer noch nicht gesichtet worden.

To be continued…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.