Geburtsbericht

Zunächst einmal: einiges hier kann ich euch nur erzählen, weil der Süßchenpapa mir hinterher davon erzählte. Ich war nämlich gegen Ende der Geburt nicht mehr ganz Herrin meiner Sinne. Aber der Reihe nach…

Meine Schwangerschaft lief ja eigentlich ziemlich glatt. Die Senkwehen gegen Ende gingen sehr zuverlässig weg, wenn ich die Wanne ging, und mal ab vom obligatorischen Himbeerblättertee habe ich auch keine Versuche unternommen, das Kind frühzeitig aus dem Bauch zu kitzeln. Stattdessen habe ich mir viel Ruhe gegönnt, was bei der Hitze auch kaum anders möglich war.

Am 22. Juni, es war mal wieder ein brutal heißer Tag und Gewitter war angekündigt, kam mein Mann nach Hause und teilte mir mit, dass man ihm die versprochene Gehaltserhöhung nicht geben würde, stattdessen aber noch mehr Arbeit. Ich hatte irgendwie Lust auf einen Eiskaffee gehabt (den ich dummerweise mit koffeinfreiem Kaffee gemacht hatte… hätte ich mal gewusst was mir bevor stand) und so saßen wir im Wohnzimmer und hielten Kriegsrat. Ehrlich gesagt war ich mehr als verärgert über das Verhalten seiner Firma, wer kündigt denn eine Gehaltserhöhung mit konkretem Betrag an und zahlt dann am Ende nur 1/4 der versprochenen Erhöhung? 😡 Hier heißt es also mal wieder, erst nachdenken, dann reden.

Nun denn. Ich ärgere mich also vor mich hin und versuche meinen Mann aufzubauen, der furchtbar geknickt war, wollte er uns doch ein bisschen mehr finanziellen Freiraum für die Elternzeit schaffen. Und dann musste ich auf einmal dringend auf Toilette. Schon auf dem Weg dahin war mir aber eigentlich klar was los war. „Schatz, ruf mal im Kreissaal an, meine Fruchtblase ist geplatzt.“ Wir hatten also typisches Blasensprung Wetter und ich ahnte schon schlimmes. Die Tasche war Gott sei Dank gepackt (wer auch immer übrigens sagt dass man Essen einpacken soll, hat vermutlich noch nie ein Kind gekriegt… ich konnte schlicht gar nix mehr bei mir behalten) und ich bin nochmal duschen gegangen. Nütze nur nix, denn das Fruchtwasser lief fleißig weiter. Gegen 20 Uhr kamen wir dann im Kreissaal an und dann hieß es erstmal CTG und warten. Irgendwann bekam ich netterweise “Surfbretter” (die Frauen wissen was ich meine) und konnte mich umziehen, aber Wehen: Fehlanzeige. Zunächst hieß es auch noch, dass es kein Familienzimmer mehr gäbe, und ich war schon den Tränen nahe. Aber wenigstens ein Einzelzimmer? Ganz ehrlich, das mag ja blasiert klingen, aber ich wollte die ersten Stunden und Tage mit meinem Baby ungern in der Gegenwart einer anderen Frau plus eventueller Großfamilie verbringen, wo ich doch meine eigene schon ausgeladen hatte.

Die Oberärztin machte dann aber doch das Unmögliche möglich und gegen Mitternacht konnten wir ein Doppelzimmer beziehen. Wir sollten nochmal ein paar Stunden schlafen und uns gegen 3 Uhr wieder im Kreissaal melden. Der Mann schlief dann auch super schnell, kein Wunder nach dem Tag. Aber wie sollte es anders sein, kaum wollte ich mich hinlegen begannen die Wehen, und an liegen war nicht mehr zu denken. Also tigerte ich im Zimmer auf und ab, bemüht, meinem Mann wenigstens ein bißchen Schlaf zu ermöglichen. Gegen 2 Uhr hielt ich es aber nicht mehr aus und wollte zurück in den Kreissaal. Dort angekommen wieder CTG. Ewig lange. Zwischendurch bekam ich ein Schmerzzäpfchen, das aber nichts brachte. Das Problem waren aber gar nicht so sehr die Wehen, sondern schlicht mein Rücken. Ich hatte derartige Verkrampfungen, dass ich zwischen den Wehen einfach nicht zur Ruhe kam, an Liegen war nicht zu denken.

Morgens wurden wir dann nochmal zum Frühstück geschickt. Tja, das halbe Brötchen kam quasi postwendend wieder raus und ich wurde ebenso fix wieder in den Kreissaal geschickt. Der Muttermund war dann auch endlich (!) mal bei 4cm, und ich wollte die PDA. Jetzt, nicht gleich. Die Wanne hatte sich nämlich als Kreislaufkiller herausgestellt, und mein Rücken und die Müdigkeit brachten mich um. Mein armer Mann schlief ständig an Schränke oder auf das Kreisbett gelehnt ein, weigerte sich aber standhaft mich alleine zu lassen und nochmal etwas zu schlafen. Naja, zwingen konnte ich ihn nicht. Als die PDA dann lag, konnte ich tatsächlich noch eine Stunde dösen, was nach 26 Stunden wach auch dringend nötig war. Unser Mittagessen wurde uns auch in den Kreissaal gebracht, und erleichtert wie ich war, gönnte ich mir erstmal einen Schokopudding. An solideres Essen traute ich mich nach der Erfahrung mit dem Brötchen nicht heran. Machen wir es kurz: die erste Presswehe beförderte auch den Pudding mit dem getrunkenen Wasser zusammen exorzistenartig wieder aus mir heraus. Die arme Hebamme.

Aber soweit waren wir ja noch nicht. Allerdings wurde der Oberarzt langsam ungemütlich, meine Entzündungswerte waren zwar weiterhin gut, aber wir näherten uns den 24 Stunden nach Blasensprung und er drohte schon mit Wehentropf. Was heißt drohte… aber als Gebärende macht einem nunmal “So, dann gehen wir mal an die Arbeit” etwas Angst. Gegen 13 Uhr war dann der Muttermund komplett auf und ich sollte die PDA abflauen lassen. Mein Wunsch, auf dem Gebärhocker zu entbinden, wurde dann leider mit der ersten Presswehe, einer folgenden Ohnmacht und dem Kotzeschwall zunichte gemacht. Nun musste es eine altmodische Entbindung im Liegen werden, was mit meinem Rücken nicht wirklich gut zu vereinbaren war.

Die folgenden 2 Stunden sind ehrlich gesagt etwas verwischt. Ich hatte unzählige Presswehen, aber nach ca. 1 Stunde war klar, dass das Süßchen ohne Hilfe nicht an meinem Steißbein vorbei kommen würde. Der Oberarzt ließ also die Kinderärzte für eine Saugglockengeburt rufen. Wenn ich ehrlich bin, ging mir kurz der Arsch auf Grundeis, als er seine Assistenzärztin anmeckerte weil die Kinderärzte nicht sofort kamen: “Ruf da nochmal an, ich hab die nicht zum Kaffeeklatsch eingeladen!” Mittlerweile war es mir aber auch nicht mehr wichtig, wie das Baby auf die Welt kommt, nur dass wir beide es schaffen und es endlich vorbei ist. Ganz ehrlich, 21 Stunden Geburt mit 32 Stunden ohne Schlaf sind wirklich unlustig. Leider ging die Geburt aber trotz Saugglocke nicht reibungslos weiter, wir brauchten noch vier weitere Presswehen und viel Kraft bis mein tapferes Mädchen endlich da war. Und damit war wirklich alles vergessen. Ich weiß noch, dass mein Mann geweint hat weil er so stolz und froh war, und ich war so glücklich mein Baby endlich im Arm zu haben, gesund und munter.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Steffi sagt:

    Das ist das erste mal, dass ich davon höre, dass man sich bei einer Geburt auch noch erbricht Und vielleicht steh ich ja voll auf dem Schlauch, aber was ist denn ein “Surfbrett”?

    1. suesschenmutti sagt:

      War mir so auch nicht klar, man hat uns aber im Geburtsvorbereitungskurs erklärt dass der Körper dadurch unnötige Anstrengungen durch Verdauung vermeiden will. ‍♀️
      Ein Surfbrett ist eine riesige Binde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.