Breifrei – nur wieder ein Trend?

Es gibt ja so Themen, da rollen sich mir die Fußnägel hoch, wer da alles meint seinen Senf zu geben zu müssen. Beim Pekip heute wurde ich auch wieder schräg angeschaut. Dabei ist die Welt bunt doch viel schöner…

Ja, das Süßchen kriegt Beikost, aber eben nicht in Breiform, sondern in handlichen Sticks oder auch mal auf dem Löffel angereicht. Wichtig ist, dass sie dabei aufrecht sitzen kann, das Essen wenig bzw. am besten nicht gesalzen ist (für Zucker gilt für mich das gleiche) und dass man dem Baby nichts in den Mund steckt. Das ist dem Süßchen besonders wichtig, sie flippt vollständig aus wenn man ihr einen Löffel in den Mund steckt. Darf sie ihn selber nehmen, ist aber alles gut. Leicht verschluckbare kleine Teile wie Erbsen oder Nüsse sollte man auch meiden, da die Erstickungsgefahr zu hoch ist.

Ich will aber natürlich nicht verheimlichen, dass man danach häufig Küche und Kind einmal kärchern müsste. Deshalb gibt es sehr schmierige Essen an Badetagen und immer in den großartigen Oberkörper Lätzchen einer schwedischen Möbelhaus Kette. Der Hund ist übrigens treu ergeben zu ihren Füßen.

Wie sieht das nun im Alltag aus? Das Süßchen sitzt mit am Tisch und kriegt das zum Frühstück, was wir auch essen, nur in babyfreundlich. Das kann ein Stück Brot mit Frischkäse sein, oder ein Stück Milchbrötchen, oder (wegen der fehlenden Zähne) gedünstetes Obst, Pfannkuchen… im Prinzip das, was ihr auch essen würdet. Einzig Joghurt meide ich momentan, weil sie danach einen allergischen Ausschlag hatte und ich das nochmal irgendwann in Ruhe ausprobieren will, aber viele Babys haben im ersten Lebensjahr nicht viel mit Kuhmilch am Hut.

Zum Mittagessen kann es dann gedünstete Gemüse Sticks geben, ein Stück Fleisch (weich und gegen die Faser geschnitten, damit sie etwas davon ablutschen kann), Nudeln… selbstverständlich alles salzarm gekocht. Kann man ja alles am Tisch nachsalzen, wer möchte. Erstaunlicherweise sind übrigens selbst starke Gewürze wie Curry kein Problem, vermutlich weil ich die schon in der Schwangerschaft und auch in der Stillzeit viel gegessen habe.

Abends ist es das gleiche Spielchen wie am Rest des Tages. Was noch wichtig ist: gerade am Anfang sollte man das Baby vorher füttern, es also praktisch satt an den Tisch holen. Warum? Weil Magen und Darm sich erstmal an die Beikost gewöhnen müssen, außerdem liefert sie deutlich weniger Energie als Muttermilch oder Milchnahrung. Die Babys wachsen aber sehr stark und brauchen diese Energie dringend. Die Empfehlung gilt übrigens auch für die Einführung von Brei als Beikost.

Viele Wege führen nach Rom. Ich kenne Babys die mit Begeisterung ihren Brei essen, ich kenne aber auch Eltern die komplett verzweifeln weil ihr Baby den Brei immer wieder aus dem Mund laufen lässt. Tricks und Spielchen werden dann eingesetzt, weil man den Druck spürt, dass das Kind doch jetzt auch mal was richtiges essen muss. Ich bin bisher noch keinem Kinderarzt begegnet, der unseren Weg des Baby-led weaning unterstützt hätte, man wird vielmehr darauf gedrängt möglichst mit Beginn des 5. Lebensmonats mit Brei zu beginnen. Eine wirklich vernünftige Begründung hat man uns aber auch nicht angeboten.

Für uns funktioniert Brei aber (bislang) nicht. Ich möchte das Süßchen nicht zum Essen zwingen. Essen soll Spaß machen, sie soll selbst aussuchen dürfen was ihr schmeckt, und sie soll lernen zu spüren wann sie satt ist. Das dabei Essen zunächst einmal zermatscht und befühlt und durch die Gegend geworfen wird und nur in homöopathischen Dosen gegessen wird, finde ich dabei nicht schlimm. (Der Hund auch nicht.) Dafür können mein Mann und ich ganz gemütlich mit ihr am Tisch sitzen und unser Essen in Ruhe genießen, und danach werden Kind und Essplatz einfach mit nem feuchten Lappen sauber gemacht und weiter geht’s.

Wer sich gerne weiter zu Baby-led weaning informieren möchte, dem kann ich das Buch von Gill Rapley empfehlen. Kochbücher sind meiner Meinung nach nett, aber nicht unbedingt notwendig.

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Steffi sagt:

    Gerade mit Hund ist das doch ein hervorragender Weg 😀 Meine beiden wären begeistert 😀

    1. suesschenmutti sagt:

      Naja, aber irgendwann wird mir der Hund zu dick.

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