Manchmal muss man Schluss machen

Wir alle haben sicherlich Menschen in unserem Leben, mit denen wir schon lange verbunden sind. Manchmal geht man mit ihnen ein Stück auf dem Weg des Lebens gemeinsam, driftet auseinander, kommt wieder zusammen, oder verliert sich ganz aus den Augen.

Es gibt aber auch die Momente im Leben, wenn man einen Bruch mit einem Menschen sucht. Genau das musste ich, aber auch wir als Familie, nun tun. So eine Entscheidung ist niemals leicht und sollte auch niemals leichtfertig gefällt werden, aber wenn sie dann einmal da ist fühlt man sich bestenfalls erleichtert, wenn auch etwas traurig. Schließlich handelt es sich in diesem Fall um die Taufpatin vom Süßchen, die damit einen Platz in unserer Familie hatte.

Meine und ihre Beziehung war schon lange kompliziert, um es nett zu sagen. Sie ist ein sehr egozentrierter Mensch, der sich wenig um die Sorgen und Nöte anderer schert bzw. es wenn nicht sehr gut nach außen kommuniziert. Sie wollte eine coole Patentante sein, der Mittelpunkt jeder Party, war aber für mich schon lange kein Anlaufpunkt mehr, wenn ich Gesprächsbedarf hatte.

Warum wir ihr dann überhaupt die Patenschaft angeboten haben, fragt man sich? Nun ja. 23 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Man entwickelt sich, und natürlich hofft man darauf dass die Freunde dies ebenfalls tun. Vor 19 Jahren gab es einen Moment, von dem ich sehr lange gezehrt habe und der diese Hoffnung immer wieder in mein Herz geholt hat. Meine Mutter war sehr plötzlich verstorben, und als wir uns das erste Mal danach sahen, gab sie mir eine kleine Muschel als Marienkäfer bemalt, und erzählte mir, dass ihre Oma ihr den gegeben hätte, damit er die Freude in ihr Leben bringt. Ich könne ihn aber mit Sicherheit jetzt dringender brauchen.

Dieser kleine Moment, in dem sie ihr sonst so großes Ego einfach mal zurück gestellt hat, hat mir viel gegeben. Aber dieser liebevolle Mensch ist leider schon länger unter einer Schicht von Aggression, Egozentrik und Kälte verborgen. Kurzum: wer sich damit brüstet, dass Kinder in ihren Augen nicht Teil der Gesellschaft, z.B. im Restaurant, sein sollten, weil sie sich davon gestört fühlt, ja sogar Schläge androht, wenn ein Kind etwas verdreckt was ihr gehört, der ist als Patin unserer Tochter und generell als Freund untragbar. Mir wird schlecht bei dem Gedanken, dass wir ihr unsere Tochter womöglich anvertraut hätten, damit wir mal Zeit zu zweit verbringen können.

Das ist nun also ein Ende. Unschön für das Süßchen, der ich irgendwann erklären muss, warum die Frau, die in ihrem Taufschein steht, nicht mehr Teil unseres Lebens ist. Unschön für uns, weil mir bzw. uns als Familie keinerlei Respekt entgegen gebracht wird. Aber es ist ein Ende. Die Tür ist zu, der Schlüssel umgedreht und weg geworfen. Mein Herz hat wieder Platz für die Menschen, die uns begleiten möchten, und da ist es dann egal, was auf einem Blatt Papier steht.

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sabine sagt:

    Hallo Jytte, bei mir ist es genau andersherum. Ich bin gefragt worden Patin zu werden, aber eigentlich nur um ausgenutzt zu werden. Wenn ich Probleme und Sorgen hatte (und davon hatte ich einige als auch noch mein Vater starb), wurden immer die Kinder vorgeschoben, um sich nicht mit mir befassen zu müssen.
    Zu dem Zeitpunkt als ich gefragt wurde, Patin zu werden, war ich noch mitten in der Trauer und habe gar nicht wahrgenommen, was alles daranhängt. Danach sind einige Sachen passiert, die mir gezeigt haben, dass ich nur finanziell interessant war.
    Da habe ich dann für mich auch die Reissleine gezogen. Für die Kinder finde ich es sehr schade, ich mag Kinder sehr, aber unter dieses Voraussetzungen mit den Eltern, ist es einfach nicht möglich eine Patin zu sein.

    1. suesschenmutti sagt:

      Liebe Sabine,
      das klingt furchtbar. Seinen Paten nach finanziellen Aspekten auszusuchen ist wirklich einfach nur unreif.
      Wir haben aus der Situation gelernt, dass wir anscheinend eine Art Bewerbungsgespräch mit einem potentiellen Paten führen müssen, damit alle Beteiligten wissen was sie erwartet.

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