Ich liebe dich bis ans Ende aller Tage

Mein liebstes Mädchen, mein Süßchen,
das neue Jahr 2018 beginnt damit, dass du mobil wirst. Du willst unbedingt krabbeln und bist so frustriert, weil es nicht direkt klappt. Außerdem plagen dich die Zähnchen sehr, du schläfst nur sehr schlecht und bist unruhig.

Ich sitze ziemlich hilflos neben dir, begleite dich, versuche deinen Frust aufzufangen und deine Schmerzen zu lindern. Gleichzeitig muss ich mit meinen eigenen Ängsten, Dämonen, Schmerzen fertig werden. Social Media offenbart immer wieder Schicksale, bei denen Familien auseinander gerissen werden, durch Krankheit, Tod, Trennungen. Jetzt, wo ich deine Mutti bin, muss ich mich selbst wieder mit mir und meiner zerissenen Familie beschäftigen.

Das allerschlimmste, mein Süßchen, wäre es für mich, dich und deinen Papa allein zu lassen. Meine Mutter hatte keine Wahl, ihr Herz hat einfach aufgehört zu schlagen. Ich war 14, mitten in der Pubertät, und musste auf einmal über Nacht Verantwortung übernehmen. Für mich, weil ich tagsüber auf mich alleine gestellt war, mein Papa musste schließlich arbeiten. Für meine Großmutter, weil sie kurz hintereinander sowohl ihren geliebten Mann als auch ihr einziges Kind verloren hatte. Ich ging nicht, wie viele meiner Freunde, während der Schulzeit ins Ausland, zu sehr fühlte ich mich dafür verantwortlich, für meine Familie da zu sein.

Jetzt bin ich es wieder. Verantwortlich dafür, dass es dir gut geht, dass es meiner Familie gut geht. Ich habe tagelang hysterisch geweint, nachdem ich dir beim Nägel schneiden in die Fingerkuppe geschnitten habe. Man sieht es bis heute, und jedes Mal wieder wird mir übel bei dem Anblick. Ich verteidige dich und deine Freiheit mit Klauen und Zähnen, auch gegenüber anderen in der Familie, damit du so sein darfst wie du bist. Nicht brav, nicht lieb, nicht irgendwas, einfach du. Und das, mein Mädchen, werde ich weiter tun. Im Papa habe ich dabei einen engagierten Mitstreiter. Aber auch er kann mir eine Angst niemals nehmen.

Ich möchte dich niemals alleine lassen müssen. Zu sehr schmerzt es bis heute, dass ich meine Mutter verloren habe. Sie fehlt mir, insbesondere wenn in meinem Leben große Veränderungen anstehen. Ich weiß, sie hätte mich begleitet, wenn sie gekonnt hätte. Und so bin ich zerissen. Eine Verhärtung in meiner Brust versetzte mich vor wenigen Wochen in blanke Panik. Du sollst nicht ohne mich aufwachsen müssen, aber ich habe das leider nur begrenzt in der Hand. Und dieses Wissen quält mich.

Ich verspreche dir, solange ich auf dieser Erde bin, werde ich mein Möglichstes tun, dir zur Seite zu stehen und dir dabei zu helfen, der Mensch zu werden, der du sein willst. Und sollte es ein Leben nach dem Tod geben, werde ich von dort aus weiter über dich wachen. Denn ich liebe dich, mein Süßchen. Bis ans Ende aller Tage.

Deine Mutti

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