Die Krux mit der Elternzeit (oder eher dem Elterngeld)

Es ist großartig, dass man in Deutschland das Anrecht hat, mit seinem Kind zuhause zu bleiben, ohne seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Noch viel großartiger ist es, dass man Geld dafür bekommt, wenn man zuhause bleibt oder Teilzeit arbeitet. Aber was ist, wenn man es sich nicht leisten kann, länger als 12 Monate aus dem Beruf zu bleiben?

Ich kämpfe derzeit sehr damit, mein noch so kleines Baby mit 14 Monaten in eine Betreuung zu geben. Zum einen liegt das daran, dass wir immer noch in der Schwebe hängen, wo und ob wir überhaupt einen Platz bekommen. Unsere Wunsch KiTa hat bereits eine Absage geschickt, unser Platz 2 hat uns auf der Warteliste. KiTa 3 hat uns “in der engeren Auswahl”, was auch immer das heißen soll. Dieser Schwebezustand ist emotional anstrengend, weil uns im schlimmsten Falle die Zuteilung droht. Klar, man hat ein Recht auf einen Betreuungsplatz, aber deshalb nimmt man ja nicht jeden. Wir haben uns auch KiTas angesehen, die wir abgelehnt haben. Genauso mit einer Tagesmutter, die einfach zu weit weg ist. Das Recht, unser Kind zu erziehen, liegt bei uns, den Eltern. Wie kann es dann sein, dass ich mein Kind einfach irgendwo abgeben soll, selbst wenn ich mit der Betreuung nicht zufrieden bin?

Es geht hier ja noch nichtmal um ausgefallene Wünsche. Ich hätte gerne eine KiTa, die frisch kocht (die meisten werden von einem Caterer beliefert, aber es gibt auch andere Ansätze, z.B. über einen Förderverein), die einen respektvollen Umgang mit Kindern zeigt (z.B. Partizipation an Entscheidungen, wie Auswahl von neuen Spielen/Büchern/etc. die angeschafft werden) und vor allem viel draußen macht. Unsere Wunsch KiTa hatte dafür z.B. eine Wald Woche, in der jeden Tag bei egal welchem Wetter der Tag im Wald nebenan gestaltet wird. Wir wohnen hier direkt an einem Grüngürtel, den manche KiTas als regelmäßiges Ausflugsziel nutzen. Wenn man sich bei anderen Eltern umhört, kriegt man aber leider oft mit, dass die Kinder den ganzen Tag drinnen sitzen, malen, spielen, aber wenig Raum für Bewegung oder Neugier bleibt.

Fakt ist aber: am 25.06. werde ich wieder arbeiten gehen. Im blinden Vertrauen auf eine Lösung habe ich Teilzeit beantragt, allerdings ärgere ich mich jetzt schon, dass ich nicht noch weiter reduziert habe. Allerdings gibt es hier ein Haus zu bezahlen, sodass ich auch die Einnahmen-/Ausgabenseite im Blick behalten musste. Und jetzt sitze ich hier und warte auf einen Anruf, der schon wieder entscheidet, ob ich gelassen meinem Ende der Elternzeit entgegen blicken kann, oder ob zu dem Trennungsschmerz noch dazu kommt, dass ich ein Platz bekomme, bei dem wir als Eltern Bauchweh haben.

Wie würdet ihr das machen? Lieber einen nicht so tollen Platz oder gar keinen? Und nein, ich kann wirklich nicht zuhause bleiben, und eine Betreuung über die Familie ist flächendeckend auch nicht möglich. Fragen über Fragen. Wenn ihr mögt, berichtet doch mal von eurer KiTa Suche?

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Carina sagt:

    Liebe Jytte,
    ich drücke Euch fest die Daumen, dass es doch noch was wird mit KiTa Nr.2!!! Ansonsten wäre es vielleicht eine Option, vorübergehend der nicht so tollen KiTa zuzusagen und weiterhin Bewerbungen in Nr. 1 und 2 für das nächste Jahr laufen zu lassen!?
    Ich finde es, nebenbei bemerkt, echt schlimm, wie viel Macht bzw. welche Auswirkungen die Entscheidungen der KiTas auf das gesamte Leben der betroffenen Familien haben. Nach welchen Kriterien entscheiden sie denn über die Aufnahme oder Ablehnung eines Kindes? Natürlich können sie nicht unbegrenzt Kinder aufnehmen, aber es wäre doch schön zu spüren, dass zumindest Interesse und Bemühungen von Seiten der KiTa bestehen…. Mich erinnert das stark an die berühmt berüchtigten NC-Auswahlverfahren an Unis. Im Kleinen wird bereits im Säuglingsalter die Basis für diese Elite-Auswahl gelegt. Sehr unschön!!

    Ihr werdet die richtige Entscheidung treffen und den für Euch optimalen Platz erhalten!!! Toi, toi, toi 🙂

    1. suesschenmutti sagt:

      Danke, liebe Carina! Die Kriterien sind z.B., ob es schon Geschwisterkinder in der gleichen Einrichtung gibt, bei konfessionellen Trägern die Religionszugehörigkeit, und einen Platz zu bekommen ohne Berufstätigkeit beider Eltern scheint unmöglich zu sein. Wir haben mittlerweile eine Zusage von einer Kita, die allerdings unsere letzte Wahl ist, und werden uns jetzt noch mit einer Tagesmutter treffen. Nächstes Jahr werden wir uns dann erneut bei unserer Wunsch Kita bewerben.

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