Vertraut eurem gesunden Menschenverstand – Ein Appell

Mutter sein ist eine Herausforderung. Ich habe bereits an anderer Stelle geschrieben, dass mich Ängste umtreiben, ich mich sorge, mir Gedanken mache. Was ich aber  um mich herum beobachte, lässt mich manchmal fassungslos zurück. Da wird ernsthaft darüber diskutiert, wann man seinem Baby Wasser anbieten muss. Gegenfrage: Warum sollte ich ihm denn kein Wasser anbieten, wenn ich mit der Beikost starte? Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass kein Kind sich mit zuviel Wasser vergiften wird. (Erwachsene dagegen schon.)

Daher ein kurzer, aber wichtiger Appell an alle Eltern: vertraut euch, und vertraut auch euren Kindern. Wir alle sind von der Natur mit Fähigkeiten und starken Überlebensinstinkten ausgestattet worden. Ein gerade frisch geborenes Baby kann plötzlich atmen, trinken, verstoffwechseln, seine Körpertemperatur regulieren, laut geben, sich bewegen. Ist das nicht irre? Von einer Sekunde auf die nächste kann ein so kleiner Mensch auf einmal so viel, und er wird mit jedem Tag besser, lernt neue Dinge dazu.

Was ich um mich herum beobachte, ist aber eine andere Sichtweise. “Dein Kind kann das (noch) NICHT.” Dieses Denken vom Defizit hier ist weit verbreitet, und mit Verlaub gesagt, es kotzt mich an. Die Angst, dass das eigene Kind sich irgendwie falsch entwickelt, dass man selbst dabei versagt, es groß zu ziehen, all das kommt aus dieser negativen Grundhaltung. Denn eigentlich ist es ja so: Dein Kind kann schon eine ganze Menge! Und alles andere wird dann kommen, wenn es kommt. Ob mit 4, 6, oder 10 Monaten die ersten Zähne kommen, sagt nichts über die Entwicklung des Kindes aus. Es kann übrigens trotzdem prima etwas anderes essen als Brei, wenn man ihm die Gelegenheit gibt, es zu lernen.

Aber die Angst, dass das Kind sich verletzt, verschluckt, nicht genügend isst oder trinkt, zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß ist, zu wenig Haare hat… Die kann man verringern, wenn man von dem Gedanken her kommt, dass wir alle überleben wollen und können. Seit das Süßchen robbt habe ich mich emotional auf die Situation eingestellt, dass sie sich mindestens einmal am Tag weh tun wird. Egal was ich mache, ich werde nicht verhindern können dass sie aus ihrem Bett fällt, also haben wir ein Bodenbett gebaut, um zumindest schwere Verletzungen zu vermeiden. Aber wenn sie so wie neulich mit der Stirn beim Robben gegen den Couchtisch knallt, dann tröste ich sie, aber bestimmt werde ich mein Haus nicht leer räumen damit sie nirgendwo gegen stoßen kann.

Vertrauen wir doch ein bisschen in die Fähigkeiten unserer Babys. Sie können so viel, und ihr Drang zu lernen ist unbändig. Das Einzige, was sie dabei einschränken kann, sind wir, wenn unsere Ängste uns zu sehr im Griff haben. Wer dazu gerne mehr lesen mag, dem empfehle ich das wunderbare Buch von Nora Imlau zu dem Thema.

Wie geht ihr mit eurer Angst um? Sichert ihr lieber alles doppelt und dreifach ab oder lasst ihr den Dingen ihren Lauf?

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