Ein kleiner Halbsatz kann manchmal die Welt verändern

Wir leben noch. Die letzten Monate waren jedoch geprägt von Krankheit und Sorgen um diverse Dinge, allen voran den Kita Platz (nach 3 Monaten jede Woche anrufen haben wir endlich einen Platz in unserer Wunsch KiTa) und wer das Süßchen betreut, wenn ich ausfalle. Und ich bin ausgefallen, aber sowas von. Derzeit hoffe ich immer noch, dass mein Geruchssinn wieder kommt, der durch einen verschleppten Infekt verloren gegangen ist. Es sieht aber so aus, als würde ich langsam wieder gesund.

So weit, so gut. Eins habe ich aber in den letzten Monaten gelernt: es gibt kein Patentrezept, wie man in Krisensituationen mit Kind agiert. Warum können denn die Großeltern nicht kommen, warum musste mein Mann zuhause bleiben (und hatte Gott sei Dank einen sehr verständnisvollen Arbeitgeber)… all diese Dinge möchte ich nicht ausbreiten, aber wir hatten unsere Gründe. Wie bei allen World First’s muss man sich spontan in der Situation zurecht finden und dann seinen Weg gehen.

Klar kriegt man (erbetene und ungebetene) Ratschläge, wie man Probleme lösen kann. Viele davon, vermutlich die allermeisten, sind lieb gemeint und resultieren aus der eigenen Erfahrung. Trotzdem musste ich für mich feststellen, dass mich manche Ideen unter Druck gesetzt haben, meinen eigenen Weg zu verlassen und es so zu machen wie “die Anderen”. Kennt ihr, oder? Zum Thema Brei habe ich dazu ja schon was geschrieben, und generell würde ich mich als reflektionsfähigen Menschen beschreiben, der sich viele, manchmal bestimmt auch zu viele Gedanken zu Themen macht.

Dieser Druck, den ich empfinde, resultiert aus meiner Unsicherheit, nicht im Interesse meiner Familie zu handeln. Als Beispiel: warum schläft unsere Tochter noch bei uns im Schlafzimmer? Sie würde (vermutlich) in ihrem eigenen Zimmer tiefer und länger schlafen, was ja auch für ihre Entwicklung soooo wichtig ist, gestillt werden muss sie eigentlich mit ihren fast 10 Monaten auch nicht mehr, also warum mache ich mir diesen Stress?  Und meine Ehe muss ja auch schon stark gefährdet sein, schließlich ist ein Baby im Schlafzimmer und der Schlafmangel durch das nächtliche Aufwachen ein Garant für fehlende Zweisamkeit. Bei anderen Kindern funktioniert das Ausquartieren doch auch super.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: jeder löst seine Probleme und Bedürfnisse anders. Für die eine Familie mag es die richtige Entscheidung sein, (nachts oder komplett) abzustillen, Brei früh oder spät einzuführen, das Kind in seinem eigenen Zimmer schlafen zu lassen, eine Decke statt des empfohlenen Schlafsacks zu nutzen, das Baby auf dem Bauch schlafen zu lassen… aber das sind individuelle Entscheidungen, die im Interesse aller getroffen werden.

Ich habe in allen diesen Geschichten vor allem eins gehört: ich bin selbst Schuld an meiner Situation. Niemand hat das so gesagt, und trotzdem blieben nagenden Gedanken und Selbstzweifel. Um aus dieser emotionalen Falle heraus zu kommen, habe ich mich entschieden aus diesem Gedankenkarussell auszusteigen und hinter solche Ratschläge oder Berichte immer den Halbsatz “für uns hat es so funktioniert” zu setzen. Natürlich kann ich sie als Denkanstoß sehen und nutzen, aber ich muss aufhören, mich selbst unter Druck zu setzen und schuldig zu fühlen, weil wir, als Familie, uns für einen anderen Weg entscheiden. Denn Entscheidungen treffen wir gemeinsam, mein Mann, ich, und, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, auch das Süßchen. Mein Mann ist übrigens derjenige, der sich vehement gegen den Auszug des Babys ausgesprochen hat, und gleich, was mir unser Kinderarzt erzählt, werde ich dem Süßchen nachts weder die Nahrung noch die Nähe an der Brust verweigern. Der Schlaf kommt auch wieder, und die Zeit, zu reifen, gebe ich meiner Tochter sehr gern. Weil es als Familie für uns so funktioniert.

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